Andreas Keller
8. Januar 2019

Jahresrückblick 2018: Start in die Selbständigkeit

Über den Jahreswechsel landen viele Jahresrückblicke, unter anderem von Nathan Barry, Justin Jackson, Kent C. Dodds und Matt Olpinski in meiner Inbox. Diese lese ich sehr gerne, da ich es spannend finde was andere übers Jahr gemacht haben, was gut lief und was eher nicht.

Da ich in diesem Jahr den Schritt in die Selbständigkeit gemacht habe, ist es ein perfekter Zeitpunkt für mich auch mit dieser Tradition zu starten.

 Start Selbständigkeit

Auf Januar 2018 habe ich mein Arbeitspensum bereits von 80% auf 60% reduziert um an einem Tag selbständig an Projekten arbeiten zu können. Ende April habe ich meinen Job gekündigt und bin nun zu 100% selbständig (eigentlich 80%, da ich einen Tag pro Woche zu unseren zwei Kindern schaue).

Dies war in den letzten Jahren ein immer grösser werdender Wunsch und ich bin froh den ersten Schritt getan zu haben. Geld verdiene ich momentan vor allem durch Kundenprojekte. Mittel- und langfristig ist es aber mein Ziel mein Angebot zu diversifizieren durch Workshops und Online Kurse, aber auch durch eigene (Software)Produkte, dazu später mehr.

 mirroco

Ende 2017 konnte Paula Duwan für ihr Projekt mirroco CHF 20’408.- crowdfunden. Ich bin ihr sehr dankbar, dass ich auf Empfehlung von Marco Jakob (Effinger Coworking) mit ihr zusammen ihren Excel Prototypen in eine Webapplikation umsetzen durfte. Die Zusammenarbeit mit Paula war sehr angenehm und ich bin stolz darauf was wir über mehrere Monate zusammen erreicht haben. Das Feedback war äusserst positiv, einige Jahresabos sind verkauft und ich bin gespannt wie sich mirroco im 2019 weiterentwickeln wird. Danke dir Paula!

Mehr zum Projekt mirroco kannst du in dieser Case Study nachlesen.

 Sunraising

Auch wiederum durch den Effinger Coworking Space auf Empfehlung von Matthias Tobler, kam die Zusammenarbeit mit Sunraising bereits Ende 2017 zustande. Der Verein Sunraising welcher die Webseite sunraising.ch, Crowdfunding für Solaranlagen in der Stadt Bern, betreibt hatte mich engagiert die Webseite weiterzubetreuen und vor allem ihre Adressdaten in Excel in ein CRM zu überführen und die Bestellprozesse und Rechnungsstellung zu optimieren.

 Web Thun

Nico Martin hatte den Wunsch ein Meetup in Thun für Webentwickler und Designer zu organisieren, dazu lud er einige Interessierte ein und wir einigten uns auf einen Namen WebThun, ein paar Themen und Daten. Zu jedem Thema gab es einen kurzen (ca. 10min) Input und danach diskutierten wir und tauschten Erfahrungen aus. Ich fand die Treffen inspirierend und freute mich über die zahlreichen Teilnehmer. Gegen Ende 2018 führten wir aber leider keine Meetups mehr durch, da alle Organisatoren mit anderen Dingen beschäftigt waren. Im 2019 wollen wir nochmals einen Anlauf nehmen.

 Coworking Thun

Bei der Organisation des Web Thun Meetups haben wir bemerkt, dass mehrere sich für ein Coworking in Thun interessieren. Insbesondere Rino Wenger und ich. Rino hat am 27. Juni ein Treffen organisiert um andere Interessierte zusammen zu bringen und zu diskutieren was wir uns vorstellen. Daraus ist die Idee entstanden, mit einem Popup Space in der Schmiedstube während derer Sommerpause im Juli/August zu starten. Dank der Unterstützung von Chrigu, Geschäftsführer der Schmiedstube klappte das auch! Wir können das Konzept Coworking ohne Risiko testen, da wir in der Schmiedstube keine Miete bezahlen müssen, sondern ihnen einfach unsere Eintrittseinnahmen abgeben. Bereits während der Sommerpause öffneten wir das Coworking Montag & Dienstag, da wir mehr Tage nicht abdecken konnten und wollten. Da die Schmiedstube Montag und Dienstag immer zu hat, konnten wir den Popup Space auch nach der Sommerpause weiterführen.

Coworking Thun

Auch wenn die Community noch klein ist, kommen einige regelmässig ins Coworking und Emmanuel Roth und Sarah Hinni unterstützen nun Rino und mich zusätzlich als Hosts.

Insbesondere die zwei organisierten Brownbags, Vorträge über den Mittag, waren ein voller Erfolg!

In Thun bewegt sich was betreffend Coworking. Im Frühling öffnet der Frachtraum Thun mit Coworking und es sind auch Bestrebungen da die Schadaugärtnerei unter anderem für Coworking zu nutzen.

 Effinger Coworking Space

Auch der Effinger Coworking Space in Bern war für mich im 2018 weiterhin ein Ort der Inspiration und des Austauschs unter Gleichgesinnten. Die Community im Effinger hat mich inspiriert und mir den Mut gegeben den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Zudem war der Effinger auch Vorbild für den Coworking Thun.

Effinger Mittagessen

Mit Mitgliedern aus dem Effinger arbeite ich momentan an zwei gemeinsamen Projekten CINE.EQUIPMENT und Kurtli, auch sind Überlegungen da gemeinsam gegenüber Kunden aufzutreten und Dienstleistungen anzubieten.

CINE.EQUIPMENT

Die Arbeit am Marktplatz für Filmequipment, welchen ich bereits im 2017 mit Fabian Steiner gestartet habe, geht weiter. Nach zwischenzeitlichen Pausen und einer Neuorientierung hatten wir gegen Ende Jahr wieder begonnen daran weiterzuarbeiten und Filmequipment auf die Platform zu bringen. Anfangs 2019 wollen wir die Platform anfangen zu vermarkten.

 Kurtli

Ausserdem haben Marco Jakob, Manuel Bürli und ich zusammen Kurtli, eine Slack App fürs Storytelling, entwickelt. Nähreres dazu im Blogartikel von Manuel oder meiner Case Study.

Effinger Hacknight

 Gutschein- und Ticketsystem E-GUMA

Der Start in die Selbständigkeit wurde mir auch dadurch vereinfacht, dass ich für meinen früheren Arbeitgeber Idea Creation GmbH weiter an ihrem Gutschein- und Ticketsystem E-GUMA arbeiten durfte. Da sie ganz viele Erweiterungen und Anpassungen im Backlog haben, hatte ich genügend Arbeit, ohne dass ich mich verpflichten musste pro Monat ein gewisses Pensum zu absolvieren. Danke euch für die Flexibilität!

iDynamics AG

Gegen Ende Jahr konnte ich auch einen weiteren früheren Arbeitgeber iDynamics AG bei einem Projekt unterstützen und die Zusammenarbeit wird auch im 2019 weitergehen.

 Persönliches

Nach dem Fokus auf mein Business nun noch zu persönlicheren Dingen.

2.5 Jahre nach unserer Tochter Aline ist am 7. September unser Sohn Nilo auf die Welt gekommen. Es war ein unglaubliches Gefühl diesen Moment einer Geburt nochmals erleben zu dürfen und zuzuschauen wie schnell sich Nilo bereits in diesen vier Monaten entwickelt hat.

Und jeden Tag staune ich was ein bald 3 jähriges Mädchen bereits alles wahrnimmt und unternimmt. Es macht Spass mit ihr zusammen zu lachen, Dinge zu unternehmen und ihr zuzuhören bei all den fantastischen Geschichten die sie sich ausdenkt.

Familie

 Was gut lief?

Die Arbeit macht mir Spass und erfüllt mich. Ich genoss die neue Flexibilität dank meiner Selbständigkeit. Ich schätze besonders, dass ich selber entscheiden kann an was ich gerade arbeiten möchte und wenn ich mal bei einem Projekt nicht wirklich weiterkomme kann ich an etwas anderem arbeiten.

Insbesondere vor und nach der Geburt von Nilo war es für uns als Familie sehr wertvoll, dass ich Luzia jederzeit unterstützen konnte ohne dass ich ein schlechtes Gewissen gegenüber einem Arbeitgeber haben oder viele Stunden nachholen musste.

Den herrlichen Sommer konnten wir als Familie voll auskosten und viele Tag in der Badi verbringen.

Was nicht so gut lief?

 Einnahmen

Finanziell war es ein mageres Jahr. Insgesamt habe ich etwa CHF 35’000.- eingenommen als Selbständiger Webentwickler. Dazu kommen CHF 20’000.- durch meine Anstellung von Januar - April. Dank den Lohneinnahmen von Luzia, Erspartem und CHF 10’000 meiner Eltern als Startkapital in die Selbständigkeit konnten wir unsere Ausgaben gerade decken.

Die Gründe für die wenigen Einnahmen sind vielseitig. Noch kleines Netzwerk, wenig aktive Akquirierung von Kunden, wenig Internetpräsenz, teilweise tiefe Stundenansätze, ein Fixpreisprojekt, welches ich unterschätzt hatte vom Zeitaufwand und im Schnitt nur 32 Arbeitsstunden pro Woche gearbeitet und davon etliche für Seitenprojekte welche (noch) keine Einnahmen generierten.

 Ferien

Nach einem Monat Ferien in Mauritius im 2017 haben wir im 2018 als Familie kaum Ferien gemacht. Im Frühling einen Kurztrip auf die Bettmeralp und im Dezember in Zermatt. Im Sommer zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Zum einen fühlte sich Luzia schwanger zu Hause am wohlsten und durch die knappe finanzielle Lage lag auch keine grössere Reise drin. Wie oben bereits erwähnt, da der Sommer genial war in der Schweiz, genossen wir die Zeit auch so.

 Sport

Durch den Fokus auf die Familie und die Selbständigkeit vernachlässigte ich es regelmässig Sport zu treiben. Dadurch habe ich auch etwa 5kg zugenommen.

Ziele 2019

 Business

  • Regelmässig schreiben, mindestens ein Blogpost pro Woche
  • 12 Videos auf YouTube veröffentlichen zu React Themen
  • Kleines Ebook verkaufen
  • 2x CHF 20’000.- Freelanceprojekte an Land ziehen
  • Mit Awesome React CHF 1000.- pro Monat verdienen
  • Coworking Thun + Community vergrössern (10 aktive Coworker pro Tag)
  • CHF 100’000.- im Jahr einnehmen

 Familie

  • Weiterhin einen Tag in der Woche zu den Kindern schauen
  • jeden 2. Monat mit Luzia einen Abend ohne Kinder etwas unternehmen
  • Mit Aline und Nilo viel Zeit verbringen

 Reisen

  • 2 Kurztrips von 3-4 Tagen
  • 1 längere Reise (Kitesurfen)

 Sport

  • 2x in der Woche 1h Sport treiben
  • wieder Gewicht von 75kg erreichen

Gutes neues Jahr

Es ist gar einfach sich nur auf die Herausforderungen wie knappe Finanzen zu konzentrieren, aber wenn ich auf das Jahr 2018 zurückblicke bin ich dankbar über die tolle Zeit mit meiner Familie und die vielen interessanten Begegnungen mit Freunden, Coworkern und Kunden. Ich bin stolz auf die Projekte die ich umgesetzt habe und freue mich auf neue Chancen und Herausforderungen im 2019.